Dieser Bericht erschien bereits 2003 in der News des DOESC.

Vorbemerkung

Der folgende Bericht soll nicht dazu dienen, die Fertigfutterindustrie in ein falsches Licht zu rücken und auf gar keinen Fall wollen wir belehrend oder missionierend erscheinen.

Fakt ist jedoch, dass wir unsere Hunde seit geraumer Zeit (seit dem Jahr 2000) ausschließlich mit natürlichem, rohem Futter ernähren und gebeten wurden, von unseren durchweg positiven Erfahrungen zu berichten.

“BARF”

Angefangen hat unsere “Karriere” als Rohfütterer mit einer Futtermittelallergie eines unserer Irischen Wolfshunde, die mit Hautproblemen einherging. Unser Tierarzt riet uns zu einer Umstellung auf ein Spezialfutter.

Durch Beiträge in einer Internet-Mailingliste sowie die Tatsache, dass wir bereits vorher teilweise rohe Fleischbestandteile dem Hundefutter beigefügt hatten, reifte in uns die Entscheidung, alle unsere Hunde vollständig auf eine andere Art der Hundefütterung umzustellen.

Bei der in der einschlägigen Literatur “BARF” (Bone And Raw Food) genannten natürlichen Ernährung versucht man, der Nahrung eines wildlebenden Caniden nahe zu kommen.

Dabei ist es klar, dass der Hund in erster Linie Fleisch benötigt; z.B. Rindfleisch, aber auch Geflügelfleisch.  Die landläufige Meinung, dass Hunde keine Hühnerknochen fressen dürfen, bezieht sich ausschließlich auf gekochte oder gebratene Hühner- oder Hähnchenteile. Erst durch die Temperatur beim Kochen oder Braten werden aus weichen Hühnerknochen spitze und gefährliche Dolche, die zu den befürchteten inneren Verletzungen führen können. Rohe Hühner – und wir reden hier ausschließlich von rohen Futterbestandteilen – sind ungefährlich (sonst wäre spätestens der Fuchs aus dem bekannten Kinderlied beim Verzehr der gestohlenen Gans jämmerlich eingegangen, doch ihn hat ja, wie uns allen bekannt ist, der Jäger geholt).

Zum Fleisch kommen noch die in den Mägen der erlegten Beutetiere vorhandenen vorverdauten Reste pflanzlicher Nahrung (Samen, Gras, Kräuter, Obst, Gemüse).

Als weitere sinnvolle Nahrungsergänzungen werden Zutaten wie Honig, Blütenpollen und Meeresalgen genannt.

Nahrungsumstellung

Im Allgemeinen wird empfohlen, direkt und sofort umzustellen. Am besten beginnt man mit mindestens einem Fasttag.

Es ist vorteilhaft, immer zuerst ein neues Nahrungsmittel zuzufügen und nicht viele verschiedene miteinander, da der Verdauungstrakt Zeit braucht, sich umzustellen, z.B. erster Tag Frischfleisch, zweiter Tag Hühnerhälse, dritter Tag Fleisch mit Zusätzen (Gemüse), vierter Tag Hühnerhälse und Rücken, fünfter Tag Fleisch mit Zusätzen und Kalbsbrustbein etc.

Kalbsbrustbeine und Kugelgelenke sollten erst gefüttert werden, wenn sich der Hund an Knochen generell gewöhnt hat.

Anfangs kann man bei einer radikalen Umstellung damit rechnen, dass sich der Organismus des Hundes evtl. zunächst „entgiftet“, was Durchfall oder Erbrechen zur Folge haben kann.

Diese Erfahrung können wir allerdings nicht teilen; die Umstellung ging bei all unseren Hunden problemlos vonstatten. Selbst unsere Seniorin, die damals das Alter von 10 Jahren bereits überschritten hatte, fraß vom ersten Tag an alles, was sie an Neuem und Ungewohntem in ihrem Futternapf vorfand.

Die einzelnen Bestandteile und mengenmäßiger Anteil

Die Futtermenge eines erwachsenen Hundes berechnet sich wie folgt:

Die gesamte Futtermenge sollte ca. 2 % des Körpergewichtes betragen. Von diesen 2 % bestehen dann 70 % aus Fleisch, der Rest aus pflanzlichen Bestandteilen (Obst, Gemüse). Bei unserer Fütterung setzt sich der Fleischanteil zu etwa 30 % aus Hühnerhälsen (die sich wegen ihres hervorragenden Kalzium-/Phosphorverhältnisses am besten eignen) oder sonstigem Hühnerfleisch und zu 70 % aus Rinderkopffleisch oder (etwa 2 x pro Woche) grünem Pansen zusammen. Je nach Verfügbarkeit gibt es auch manchmal Reh, Ziege oder rohen Fisch. Auf keinen Fall darf Schweinefleisch gefüttert werden.

Für einen 35 Kilogramm schweren Hund betragen die Mengen also (gerundet in Gramm):

  • 700 Gesamt
    • Obst/Gemüse 200
    • Huhn 150
    • Rind 350

Die Hühnerhälse oder –rücken werden bei uns als Mittagsmahlzeit gereicht, die Hauptmahlzeit mit Fleisch, Obst, Gemüse und Zusätzen gibt es am Abend.

Wir füttern Fleisch gewolft oder gehackt und mischen es mit dem pürierten Gemüse. Innereien (pürierte Rinder-, Hühner- oder Putenleber, Hühnermägen, Hühnerherzen, Rinderherz) sollten nicht zu oft gefüttert werden (etwa einmal pro Woche, gemischt mit dem Gemüse) und sollten 15 % der Nahrung nicht übersteigen.

Obst und Gemüse muss, damit der Hund die Inhaltsstoffe verwerten kann, püriert werden.

Als Gemüse eignen sich alle nicht blähenden, z.B. Paprika, Lauch, Möhren, Radieschen, Rettich, Sellerie, Fenchel, Gurke, Zucchini, Kürbis, Spinat, grüner Salat, Eisbergsalat, alle Arten von Salat usw. Höchstens 1 x pro Woche kann man Blumenkohl oder Brokkoli verwenden.

Äpfel und Bananen sind die hauptsächlich gegebenen Obstsorten, aber auch Birnen, Aprikosen, Melonen, Pfirsiche, Ananas und Beerenfrüchte (Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren) können den Speiseplan bereichern.

Grundsätzlich kann man sagen, dass der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind, denn der Hund verträgt praktisch alle Nahrungsmittel, die auch der Mensch zu sich nimmt.

Hierbei spielt natürlich die saisonale Verfügbarkeit eine große Rolle; wir verwenden die Obst- und Gemüsesorten, die gerade zu bekommen sind.

Als Zusätze werden Knoblauch, Algenpresssaft, Kräuter, Sprossen, Apfelessig, Öle (Lein-, Sonnenblumen-, Distel-, Walnuss-, Knoblauch-, Oliven-, Rapsöl etc.), Honig, gemahlene Nüsse (keine Erdnüsse), Sonnenblumenkerne, Weizenkeime, Weizenkleie, Blütenpollen, Baumrindenmischungen, Leinsamen, Brauerhefe, getrocknete und gemahlene Brennnesseln, gemahlene Hagebutten, Quark, Joghurt gegeben.

Zweimal wöchentlich können Eier mit Schale hinzugefügt werden.

Öle müssen kaltgepresst sein und Honig kaltgeschleudert, damit die wertvollen Inhaltsstoffe nicht verloren gehen.

Die Mengenangaben zu den Zusätzen können der im Anhang angegebenen Literatur entnommen werden, auch gibt es einfache Rechner-Programme und Exceltabellen zur Bestimmung und Beurteilung der genauen Bestandteile.

Die Notwendigkeit, alle lebenswichtigen Nährstoffe bei jeder Mahlzeit zu verabreichen, ist nicht gegeben. Die Ausgewogenheit findet über einen Zeitraum von mehreren Wochen statt, wie es auch in der freien Natur passiert.

Das alles hört sich ungemein kompliziert an, wenn man jedoch die Berührungsängste und die ersten beiden Wochen hinter sich gebracht hat, ist alles nur noch halb so schlimm.

Unsere IW-Hündin, derentwegen wir diese Art der Fütterung eingeführt haben, hatte übrigens nicht mehr die kleinsten Beschwerden, unser Tierarzt sieht uns nur noch zur jährlichen Impfung und all unsere Hunde erfreuen sich bester Gesundheit.

Selbst Curly wurde während ihrer Trächtigkeit roh ernährt, wobei wir hier natürlich besonders auf Gehalt und Ausgewogenheit des Futters geachtet haben; hierauf detailliert einzugehen, würde allerdings den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

 

Bezugsquellen und Kosten

Besonders wenn mehrere Hunde zu füttern sind, können durch den Einkauf größerer Mengen und die Ausnutzung von Sonderangeboten die Kosten im Rahmen gehalten werden.

Fleisch, Knochen, Geflügel, Obst und Gemüse erhält man in örtlichen Geschäften oder im Futtermittelhandel (Rohfutter) für Hunde.

Die meisten Zusätze findet man ebenfals im Futtermittelhandel (Rohfutter) oder in jedem gut sortierten Supermarkt, in Reformhäusern, Drogeriemärkten und Apotheken.

Im direkten Vergleich konnten wir feststellen, dass sich die Futterkosten in unserem Hundehaushalt unter dem Strich gegenüber früher kaum geändert haben. Lediglich die Tierarztkosten sind niedriger geworden.

Literatur

Dr. Billinghurst, Ian  –  Give your dog a bone  –  Eigenverlag – englischsprachig  –  ISBN 0646160281

Dr. Billinghurst, Ian –  Grow your pups with bones  –  Eigenverlag – englischsprachig  –  ISBN 0958592500

Sieber, Ilse / Adlington, Eric H.W.  –  Hundezucht naturgemäß  –  Verlag Gollwitzer Weiden 1993

Meyer, Helmut / Zentek, Jürgen  –  Ernährung des Hundes  –  Parey Buchverlag Berlin 2001

Dr. Krautwurst, Friedmar  –  1 x 1 der Hundeernährung  –  Kynos Verlag Mürlenbach 2000

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